Dreiundzwanzig (23) – das ist die Zahl der Einhörner aus Deutschland, welche laut dem „Titans of Tech“-Report 2021 von GP BULLHOUND mittlerweile auf eine Gesamtbewertung von 119 Milliarden US-Dollar kommen. Zudem zählt 2021 laut diesem Report als Rekordjahr des Wertzuwachses der europäischen Tech-Branche. Zu diesen milliardenschweren Unternehmen aus Deutschland gehört auch Signavio.

Der SaaS Provider aus Berlin ist auf die Optimierung von Geschäftsprozessen in Unternehmen spezialisiert und hat das Business Process Management revolutioniert. Mit der Signavio Business Transformation Suite erhalten Unternehmen eine Lösung, welche dabei unterstützt die Strategie kontinuierlich umzusetzen und in konkrete Aktionen zu überführen.

Der Co-Founder und CEO Dr. Gero Decker erzählt in Cloud Ecosystem LIVE seine spannende Story und gibt dabei tiefe Einblicke in die Erfolgsgeschichte; von der Gründung an der Uni bis zum sehr erfolgreichen Exit und Verkauf an SAP.

International erfolgreich im Enterprise-Segment

Innerhalb weniger Jahre konnte Signavio mit Büros und Mitarbeitern in 13 Ländern in Nordamerika, Europa, Asien und Australien bereits über 2.000 Enterprise-Kunden gewinnen.

Als eigenständiges Unternehmen peilte Gero die magische 100 Mio. Euro ARR Marke an, bis es dann mehr oder weniger überraschend zur Übernahme durch SAP kam. Unter dem Dach der SAP verzeichnet Signavio einen enormen Zuwachs in der Geschwindigkeit beim Wachstum, welchen Gero mit dem Faktor 2-3 benennt.

Vom Studium bis zum ersten Kunden

Gero studierte Softwareengineering am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Dort promovierte er mit einer Arbeit über Business Process Management (BPM) mit Summa cum laude. Während seines Studiums startete Gero, zusammen mit Studienkollegen, ein Studienprojekt an der Uni. Dieses Projekt wurde aus reinem „Spaß an der Technologie“ umgesetzt, so Gero.

Das Open Source Projekt Oryx entstand 2006 und war bis dato ohne kommerziellen Hintergedanken in Umsetzung. Trotzdem  Jedoch wollten die Studenten „sowas wie ein Mal-Tool im Webbrowser einfach mal bauen“, denn damals war von PowerPoint oder Visio im Webbrowser noch keine Rede.

Die Grundlage für Signavio war gelegt und das Team hat es geschafft, sehr schnell einen ersten Kunden zu gewinnen. Die AOK Brandenburg und die AOK Berlin standen kurz vor einer Fusion, und es gab einen großen Bedarf die Prozesse beider Organisationen zu analysieren und vereinheitlichen. Mit dem Ansatz der Kollaboration im Rahmen der Prozessgestaltung konnte Gero und Kollegen, auch als Start-up, die AOK überzeugen.

Bis zum zweiten Kunden dauerte es dann eine Weile und „irgendwann lief es dann“, sagt Gero. Schnell merkten alle, dass man ein Händchen dafür hat, ein Prozess Management Tool zu bauen, welches die Masse interessiert. Als sich das Oryx Team darüber bewusst wurde, stand man im Herbst 2008 vor der großen Frage: „Was machen wir mit der Technologie?“

Gründung mit Stipendium und Launch der ersten webbasierte BPM-Software

Aus der Vorerfahrung und der Technologie aus dem vorangegangen Forschungsprojekt entstand bereits 2006 der erste Prototyp, bis es dann am 4. Mai 2009 zur Gründung von Signavio kam. Der Tag der Gründung war nicht zufällig gewählt, sondern der erstmögliche Tag, an welchem die Gründung aufgrund des EXIST-Gründerstipendiums möglich war.

Mit dem Signavio Process Manager brachten die Gründer – Dr. Gero Decker, Torben Schreiter, Nicolas Peter und Willi Tscheschner dann die erste kollaborative und komplett webbasierte BPM-Software auf den Markt.

Eine klassische Rollenverteilung gab es zunächst nicht, jedoch waren die Aufgaben schnell zugeordnet. So waren Nico und Willi vor allem für die Softwareentwicklung zuständig, während Torben und Gero sich um „alles andere“ kümmerten – wie z.B. Marketing, Vertrieb, Produktmanagement (Gero) oder Finanzen, Vertragswesen und HR (Torben).

230 Mio. $ von „nur“ zwei Venture Capital Investoren

In den ersten 12 Monate konnte sich Signavio u.a. mit Zuschüssen oder Preisgeldern von Wettbewerben finanzieren. Dabei spielten in der Anfangsphase auch das Exist Stipendium sowie Forschungsprojekte wie Profit von der IBB Berlin eine größere Rolle. Anschließend konnte sich Signavio alleine über den Umsatz finanzieren und konnte bootstrapped expandieren. Signavio konnte 2009 bereits einen Umsatz von 160-170k Euro einfahren, welcher sich 2010 auf 650k Euro und im Jahr 2011 sogar auf 1,1-1,2 Mio. Euro erhöhte.

Obwohl Signavio frühzeitig profitabel war, gab es drei gute Gründe zur Aufnahme von Venture Capital. Zum einen wollte einer der Gründer aussteigen und seine Anteile verkaufen. Aber vor allem wollte man lernen, wie man ein Unternehmen richtig baut, so Gero. Darüber hinaus stagnierte es in den USA und man erhoffte sich so, das Potenzial besser ausschöpfen zu können.

Als 2015 die erste Finanzierungsrunde erfolgreich durchgeführt wurde, verzeichnete Signavio bereits einen Umsatz von ca. 8,5 Mio. Euro und erreichte dabei bereits ein EBIT von 3 Mio. Euro.

In der Series A Runde ist Summit Partners aus Boston mit 30. Mio. USD eingestiegen. Nachdem sich Signavio weiterhin sehr erfolgreich entwickelt hatte, entwickelte sich das Thema Börsengang als mögliche Zukunftsoption. Signavio entschied daher eine zweite Finanzierungsrunde (Series B) durchzuführen – welche ebenfalls mit Summit Partners zustande kam

Um einem möglichen Börsengang vorzubereiten hat Signavio 2019 eine erfolgreiche Series C Runde abgeschlossen, bei der Signavio 177 Mio. USD von Apex Partners einwerben konnten. Somit konnte Signavio insgesamt 230 Mio. Dollar von „nur“ zwei VC einsammeln.

Erfolgreicher Exit und Zukunft mit SAP

SAP war einer der größten Kunden von Signavio und Jürgen Müller (CTO von SAP) war ein alter Studienkollege von Gero. Jürgen Müller rief Gero an und fragte direkt, ob Signavio nicht Teil der SAP-Familie werden möchte. Geros spontane Antwort war kurz und knapp erst einmal „Nö.“. Nach einigen gemeinsamen Workshops, stellte man dann schließlich fest, „dass es einfach passt“, so Gero.

Bis dahin waren sich die Unternehmer von Signavio einig, dass man eigentlich gar nicht verkaufen möchte und als unabhängiges Unternehmen lange Zeit bestehen und auch an die Börse gehen wolle. Das Übernahmeangebot von SAP brachte die Gründer jedoch dazu über Fragen wie:

  • Was ist gut für die Mitarbeiter?
  • Was ist gut für die Kunden?
  • Was passiert mit dem Produkt?

intensiv nachzudenken. Die Antwort und die Entscheidung kennt man heute: Signavio wird Anfang 2021 für fast eine Milliarde EUR an SAP verkauft und die Gründer haben einen traumhaften Exit sowie eine neue Zukunft bei SAP.

Mitten in der Covid-19-Zeit fragt man sich natürlich: Wie feiert man einen solchen Deal in einer Pandemie? Die Story von Gero ist dabei besonders sympathisch. Nachdem man sich nach dem Notartermin eine gute Flasche Whiskey gegönnt hat, fuhren die Beteiligten nicht etwa zu einem schicken Restaurant, sondern zum nächsten Drive-In. So ließen die Unternehmer dann mit Burgern, Pommes und Cola den Abend in einer Hotellobby ausklingen.

Seitdem läuft die Integration von Signavio in SAP auf Hochtouren. Hierfür wurde eine eigene Unit gegründet, in die Signavio 500 Mitarbeiter eingebraucht hat Ende 2021 werden es über 1.000 sein. Gero und Rouven Morato (General Manager Business Process Intelligence bei SAP) bilden die Doppelspitze für die Business Unit BPM innerhalb der SAP.

„Es ist eine lange Reise, und dafür muss man gemacht sein“

Um all dies zu erreichen, gibt Gero noch mit, dass die Erfolgsformel eine Kombination aus mehreren Dingen ist. Zum einen ist es wichtig, dass man ein extrem hohes Energielevel mitbringt, um sich und das Unternehmen jeden Tag weiterzubringen. Zum anderen ist so ein Erfolg niemals ein „Über-Nacht-Erfolg, sondern immer ein kontinuierlicher Weg“. Gero selbst sagt: „SaaS ist wie ein Zug, der unglaublich schwer in Gang zu setzen ist, aber wenn er einmal angefangen hat Geschwindigkeit zu entwickeln, ist er nicht mehr aufzuhalten.“

In Cloud Ecosystem LIVE gibt Gero einen sehr intensiven Einblick in seine Erfolgsstory und plaudert über viele spannende Details. Ihr möchtet live erfahren, wie Gero sein Unternehmen aufgebaut hat und lernen, wie man ein Global Player wird? Dann schaut das ganze Video-Interview oder hört den Cloud Ecosystem LIVE Podcast.

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Chris Käsebier

Chris Käsebier

Junior Ecosystem Manager

Egal ob IaaS, SaaS oder PaaS – im Aufbau des Ecosystems behält Chris stehts innovative Provider im Blick und bringt diese, gemeinsam mit den Kollegen, zusammen um die Community zu vergrößern und innovative Player zusammenzubringen.

Darüber hinaus treibt Chris Kooperationen mit Verbänden voran, um so die passenden Bauteile für erfolgreiche Projekte zu ergänzen.

Bildquellen

Header und YouTube: Cloud Ecosystem

Beitragsbilder: Signavio

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